In Griechenland ist es allgegenwärtig, das Olivenöl. Es wird praktisch alles damit gekocht und man kann es an jeder Straßenecke kaufen. Die Griechenland- und Genuss-Bloggerin Sigi Weiß von travellikeagoddess.com erzählt uns in ihrem Gastbeitrag mehr über die Geschichte und Bedeutung des Olivenöls.

Der Olivenbaum spendet nicht nur das Öl, das der griechischen Küche seinen Charakter verleiht, sondern war von Anbeginn ein heiliger Baum. Die Göttin Athene schenkte ihn den Einwohnern ihrer Stadt und wurde dafür zur Schutzgöttin erkoren.

Egal, wie weit man in der Geschichte Griechenlands zurückgeht, der Olivenbaum stand immer im Zentrum der griechischen Küche. Schon die minoische Kultur auf Kreta fertige riesige Tonkrüge an – so kunstfertig und dünnwandig, dass manche davon Eierschalenkeramik genannt wurde –, in denen sie Olivenöl aufbewahrten und handelten. Auch in der Kunst, auf Keramiken, Siegeln und Wandmalereien, taucht die Olive auf. Es ist auch Kreta, das den ältesten Olivenbaum der Welt beherbergt, dessen Alter auf mindestens 2000 Jahre, möglicherweise bis zu 4000 Jahre, geschätzt wird.

Lebenselixier der griechischen Kultur

Bis heute gilt der Olivenbaum in Griechenland als heilig und die Generationen überdauernd. Das grün-goldene Olivenöl ist ein Lebenselixier, das in der Küche und in der Körperpflege überaus gesundheitsfördernde Wirkung hat. Auch als Lampenöl, zur Herstellung von Seife, zur Produktion eingelegter Oliven und als Handelsware der antiken Griechen hatte die Olive eine überwältigende Bedeutung.

Die Ilias erzählt, dass die Liebesgöttin Aphrodite den toten Helden Hektor während des Trojanischen Krieges mit Olivenöl salbte, das mit Rosenblättern aromatisiert war. Die Sieger der olympischen Spiele trugen einen Kranz aus Olivenzweigen, der Glück, Unsterblichkeit und Friede symbolisierte.

Olivenernte

Der Sommer ist schon längst vorbei, wenn im November die Olivenernte startet. Ganze Landstriche in Messinien, der Mani und Kreta, wo die besten Öle herkommen, widmen sich ab November der archaischen Arbeit der Olivenernte. Da viele Bäume in abgelegenen Gärten, auf terrassierten Hängen und gebirgigen Gegenden wachsen, wird vieles noch in Handarbeit geerntet. Oft wird noch per Hand gepflückt und mit Stöcken oder Rechen nachgeholfen, dass die Olivenfrüchte fallen.

Netze unter den Bäumen fangen die empfindlichen Früchte auf. Wer allerdings wartet, dass die Früchte von selbst vom Baum fallen, riskiert die Qualität der Oliven, da die dann überreifen Früchte schnell zu gären beginnen.

Frische Oliven sind kaum genießbar. Will man sie konservieren, muss man sie mehrere Wochen in Salzlake legen, bis man sie servieren kann.

In der Ölmühle

Wichtig für Geschmack, Farbe und Vitamingehalt ist, die Oliven möglichst schnell in die Ölmühle zu bringen. Dort werden die ganzen Früchte gewaschen, von Blättern und Ästen gereinigt und zu einem Brei zermahlen. Dieser Brei wird gepresst und die Flüssigkeit zuletzt in einer Zentrifuge vom reinen Öl getrennt. Für kaltgepresstes Öl, das als natives Olivenöl extra auf den Markt kommt, darf die Temperatur beim Pressvorgang maximal 27 Grad Celsius erreichen.

Frisch gepresstes Öl hat eine leuchtend-grüne, aber trübe Farbe und schmeckt wundervoll, mit einem bitteren Kitzel am Gaumen. Nach wenigen Wochen klärt sich das Öl und nimmt die charakteristische dunkelgrüne Farbe an.

Wer das Glück hat, Griechenland zu dieser Jahreszeit zu bereisen, wird in den Olivenregionen am Peloponnes und Kreta kleine Straßenstände finden, oder Schilder vor privaten Häusern, in denen sich das beste Olivenöl erstehen lässt. In manchen Dörfern kann man Ölmühlen besuchen und vor Ort verkosten. Ein gutes Öl zeichnet eine ausgewogene Mischung von fruchtig, bitter und scharf aus.

Fast jede griechische Familie hat irgendwo in der Verwandtschaft jemanden, der sein eigenes Öl erzeugt. Oft reicht der Ertrag auch nur aus, um die Großfamilie zu versorgen. Denn der Stolz der Griechen ist das Olivenöl der eigenen Familie! Abgefüllt wird dieses meist nicht in edle Flaschen, wie wir sie hier gewohnt sind, sondern in Blechkanister oder leere Wasserflaschen, in denen das Öl verschenkt wird.

Der Blogbeitrag von Sigi Weiß erschien in einer Langversion auf ihrer Website travellikeagoddess.com, dem Griechenland-Blog auf den Spuren antiker Mythologie. Dort findet man viele weitere interessante Storys rund um Reisen und Leben in Griechenland, griechische Göttinnen, griechische Inseln und griechische Kulinarik & Traditionen. Bei uns ebenfalls erschienen: Alle Tricks, um Seeigel zu essen

Bild: ©Pixabay

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